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Auf alten Wegen zu neuen Zielen?
Die Idee der Lichtstafette von Utrecht nach Münster

Vortrag am 23. September 2004 in Zwillbrock
von Dr. Heinz-Georg Surmund, Arnhem (NL)

1. Am Anfang war das Empfangen
2. Fern und nah
3. Ludgers gefährlicher Aufbruch
4. “Sucht den Frieden und jagt ihm nach”
5. “Als Fremder umherziehen aus Liebe”

Wir bereiten uns an diesem Abend auf einen Grenzübergang vor. Der soll in siebzehn Tagen stattfinden. Am 10. Oktober wird nämlich die Ludgerstafette ihren Weg in den Niederlanden beenden. Sie hat dann zwanzig Gemeinden im Erzbistum Utrecht besucht und setzt ihren Weg auf deutschem Boden fort, in Richtung Münster. Wir erwarten Einiges von diesem Grenzübergang, wir hoffen, dass dieses Beisammensein erfreulich, vielsagend und anregend sein wird. Zwar sagt ein Sprichwort: “Geben ist seliger als Nehmen”. Aber wenn die Ludgerstafette aus westlicher Richtung die Grenze überquert, werden wir daran erinnert:

1. Am Anfang war das Empfangen
Den Glauben haben wir empfangen - er wurde uns gebracht, ist uns zugetragen worden von anderen Menschen, und durch ihre Vermittlung letzten Endes vom Allerhöchsten. So sehr unsere Mitwirkung nötig ist: der Glaube ist nicht etwas, was wir uns selbst erschaffen, nein, es ist eher umgekehrt: der Glaube erschafft uns. So sehr wir ihn wertschätzen, so viel wir dafür einsetzen: er ist nicht das Resultat unserer Anstrengungen, er fällt uns in den Schoss. Ludger, der erste Niederländer, der ein Buch schrieb, fand schon als kleiner Junge Bücher faszinierend. Er wusste natürlich zu dem Zeitpunkt bereits, dass Bücher von Menschen gemacht werden. Aber bereits als Kind war er überzeugt: wer Schriftsteller werden will, braucht noch einen ganz anderen Lehrmeister. Altfried, der erste Biograph von Ludger, erzählt: “Kaum begann er zu laufen und zu sprechen, da sammelte er Papierstückchen, Leder und Baumrinde, die wir gewöhnlich als Lichtspender benutzen (Holzspäne?), und wenn andere Jungen spielten, fügte er diese zu einer Art Buch zusammen. Und wenn er dann die eine oder andere Flüssigkeit fand, ahmte er mit Schilfstengeln die Schreiber nach und brachte dann seine Bücher zu seiner Amme, um sie für ihn aufzubewahren. Und wenn jemand ihm dann die Frage stellte: was hast du heute getan? dann sagte er, dass er den ganzen Tag Bücher gemacht hatte, geschrieben und gelesen. Und wenn man ihn dann weiter fragte: wer hat dich das gelehrt?, so antwortete er: Gott hat mich das gelehrt.”
(Utrechter Handreichung “Gedanken für unterwegs”, Abschnitt 1)

Aus dem Empfangen, aus der Vorrangigkeit des Empfangens folgt:
Der Glaube ist etwas zum Weg-, zum Weitergeben; wir haben ihn empfangen, um ihn weiter zu bringen. Wir müssen ihn nicht krampfhaft festhalten; wir brauchen unsere Talente nicht aus Angst in einem Erdloch zu vergraben (Mt. 25,18.25). Wir dürfen uns mit ihnen auf den Weg machen, denn wir sind eingeladen: “geht hinaus auf die Strassen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein” (Mt. 22,9).
(Utrechter Handreichung “Gedanken für unterwegs”, Abschnitt 2)
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2. Fern und nah
Nun leben wir in einer Zeit, in der vertraute Lebensmuster sich schnell und stark ändern, gerade auch im kirchlichen Leben. Viele von diesen traditionellen Formen sind bereits teilweise oder ganz verschwunden. Tritt etwas an ihre Stelle, was könnte das sein? Was bedeutet es, am Beginn des 21. Jahrhunderts Gemeinde Jesu Christi zu sein? Kann die Erinnerung an eine Gründergestalt, wie es der heilige Ludger war, uns helfen, mit solchen Fragen gut umzugehen?

Vor 1199 Jahren wurde er, der Priester aus Utrecht, zum ersten Bischof von Münster geweiht. 1200 Jahre ist das her, das scheint eine lange Zeitspanne zu sein, es kommt uns vor, dass die Ereignisse von damals unerreichbar weit entfernt sind von uns - aber stimmt das wohl? In Arnhem feierten wir die Ankunft der Ludgerstafette in unserer Stadt an einem Sonntag im Juni; in demselben Gottesdienst beging einer unserer Kirchenchöre sein vierzigjähriges Bestehen. Da ging mir auf: dreissig mal vierzig, dreissig Chöre, die vierzig Jahre bestanden haben - das bringt uns schon ganz in die Nähe des ersten Bischofs von Münster. Der zeitliche Abstand schrumpft, wenn wir uns klarmachen: es sind Gläubige mit ihren Lebensgeschichten, Einzelne und Gruppen, die die anvertraute Botschaft Schritt für Schritt weitergegeben haben. Wenn wir uns das vergegenwärtigen, dann füllt sich die Zeit zwischen 2005 und 805. Wir entdecken einen roten Faden, der von Tag zu Tag durch diese zwölf Jahrhunderte läuft: das Bemühen von so vielen Menschen, Leben und Welt christlich zu gestalten.

Und was die räumliche Entfernung zwischen Utrecht und Münster betrifft: auch hier spielt die Zahl vierzig eine Rolle und bewirkt ebenfalls, dass der Abstand nicht abstrakt bleibt und leer. Es sind ja gut vierzig Gemeinden zwischen Utrecht und Münster, die die Ludgerstafette von Etappe zu Etappe verwirklichen. Die Niederländer sind am 11. April dieses Jahres aufgebrochen. Zum Osterfest 2005 soll das Licht der Ludger-Kerze im Dom zu Münster ihr Ziel erreichen, soll aufgehen im Auferstehungsfeuer des 1200-jährigen Bistumsjubiläums. Die Ludgerstafette kann uns zum Bewusstsein bringen:
Der Weg des Glaubens ist ein so grosser und weitreichender Entwurf, dass Generationen und Jahrhunderte daran bauen müssen, bauen dürfen. Der Beginn dieses Projektes liegt im Geheimnis Gottes. Das Ziel umreisst der Prophet Jesaja als allumfassende Zusammenkunft. Gott kommt Menschen aus allen Völker, Rassen und Sprachen entgegen und empfängt sie als Gastgeber. Er bietet ihnen ein Festmahl an “mit besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen” (Jesaja 25,6).
(Utrechter Handreichung “Gedanken für unterwegs”, Abschnitt 3)

All’ die Gemeinden zwischen Utrecht und Münster haben sich von der Einladung ansprechen lassen: begebt euch mit dem Licht auf den Weg, geht mit ihm aus euern Kirchen auf die Strasse. Erzählt etwas von eurer Gemeinschaft, teilt es mit den andern im Reisetagebuch, das Kerze und Leuchter begleitet! Wie sehen eure Versuche aus, heute im Glauben “Licht” zu auf die Spur zu kommen, Licht zu empfangen, es weiter zu geben? In welcher Umgebung lebt ihr, unter welchen Bedingungen, wo liegen Stärken und Schwächen, Sorgen und Chancen, Träume und Grenzen?

Als im Oktober 2002 die Idee der Ludgerstafette in mir aufkam, als ich sie ausgearbeitet hatte zu dem Vorschlag, der jetzt realisiert wird - damals konnte ich mich nicht gleich entschliessen, die Pläne nach Utrecht und Münster zu schicken. Mein Zögern war, wie sich mittlerweile gezeigt hat, völlig unbegründet. Besonders positiv fand ich, wie interessiert Mitglieder der Utrechter Bistumsleitung und die dortige Ludgerkommission den Plan aufgenommen und weiter ausgearbeitet haben. Sehr intensiv war auch die Mitarbeit in der Gemeinde von Utrecht-Zuilen, dem Geburtsort Ludgers.
All dies, die Beteiligung und der Einsatz von vielen, haben mir zum Bewusstsein gebracht: wir sollten nicht in dem Sinn aktuell sein wollen, dass wir uns einreden lassen: Gestalten oder Vorgänge aus der Vergangenheit sind zu weit weg und deshalb für uns irrelevant. Nein, Wesentliches, das sich in ihnen zeigt, kann wieder in die Nähe kommen, kann uns tief berühren und motivieren.
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3. Ludgers gefährlicher Aufbruch
Wir legen in Etappen den Weg Ludgers noch einmal zurück, zeichnen die Achse zwischen Utrecht und Münster nach, die für ihn eine so grosse Bedeutung bekommen hat. Auf dieser Strecke zeigt sich allerdings: Ludgers Unterwegssein unterschied sich wesentlich von unseren Spaziergängen. Seine Mission war gefährlich, lebensgefährlich. Die Friesen und Sachsen begegneten dem neuen Glauben mit tiefem Misstrauen und handgreiflicher Ablehnung; sie waren mehrheitlich überhaupt nicht angetan von einer fremdartig anderen Weltanschauung und Lebensordnung, die ihnen auferlegt wurden. Dies geschah ja nicht einfühlsam und sanft. Viel zu oft - und das machte übrigens auch Ludger Schwierigkeiten, viel zu oft wurde die Bekehrung durch grausame Gewalt erzwungen. Es war der Fränkische Eroberer, die christliche Supermacht dieser Zeit in Europa unter Karl dem Grossen, die diese tief eingreifenden Veränderungen verordnete und auferlegte.

Von Kindesbeinen an war Ludger mit der Erfahrung vertraut, dass ihm eine eindeutige und homogene kulturelle Heimat fehlte. Er war eine Gestalt des Übergangs. Er war Augenzeuge und hat selbst erfahren, wie riskant es war, sich für andere Lebensmuster zu entscheiden, die der fremden Franken, die viele als Feinde ansahen.
Umso überraschender war für ihn eine Kontrasterfahrung, die er als zwölfjähriger Junge in der Utrechter Domschule machen durfte. Dort traf er Jungen und Männer aus verschiedenen Ländern an; seine Mitschüler waren nicht nur Friesen, sondern auch Franken, Sachsen, Menschen aus Bayern, Schwaben, England. Erstaunlich war: unter der Leitung ihres inspirierenden Schulleiters führten sie, trotz aller Unterschiede und Gegensätze, ein Leben in wirklicher Gemeinschaft. Ludger selbst hat darüber später voller Bewunderung (und voller Heimweh?) im Buch über seinen Lehrer Gregorius geschrieben. Hierin zeichnete sich nicht nur die Vision des Jesaja ab, sondern auch die ideale Skizze aus der Apostelgeschichte: “die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam” (4,32).
Wie entschlossen und kraftvoll Ludger sein ganzes Leben lang diese Richtung im Auge behielt, zeigt sich unter anderem in seinem Lebensende. Er starb nicht zuhause, sondern unterwegs. Darin zeichnet sich noch einmal das Bild seines Meisters ab, der von sich sagte: “die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann” (Mt 8,20). Ludger verkörperte die Haltung, die im letzten Kapitel des Hebräerbriefes so umschrieben wird: “denn wir haben hier keine Stadt, die bestehenbleibt, sondern wir suchen die künftige” (13,14).
Utrechter Handreichung “Gedanken für unterwegs”, Abschnitt 4
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4. “Sucht den Frieden und jagt ihm nach”
Die künftige Stadt, die Gerechtigkeit und Friede für alle bietet - zur Zeit haben viele den Eindruck, dass wir uns davon immer weiter entfernen.

Wie tief die Besetzung eines Landes Menschen verletzt, wie lange eine solche Kränkung nachwirkt: das habe ich seit 1989 oft nachempfinden können. In den letzten fünfzehn Jahren habe ich als deutscher Pfarrer an der anderen Seite der Grenze gelebt und gearbeitet. Dabei bin ich immer wieder auf die Spuren der deutschen Besetzung zwischen 1940 und 1945 gestossen. In Arnhem wurde vieles davon gerade jetzt wieder lebendig - bei den Veranstaltungen zum sechzigsten Jahrestag der Schlacht um Arnhem. Am kommenden Sonntag werden wir im Gottesdienst eines anderen traumatischen Vorgangs gedenken: ebenfalls im September 1944 verfügte die deutsche Besatzung, dass Arnhem innerhalb weniger Tage evakuiert werden musste. 90.000 Menschen wurde befohlen, ihre Heimat zu verlassen. Während der folgenden acht Monate bis zur Befreiung im Mai 1945 war Arnhem eine Geisterstadt ohne Bewohner, mit zerstörten, geplünderten Häusern. Ich soll am nächsten Wochenende zu diesem Thema predigen. Damit stehe ich nicht nur vor der Frage, was ich sagen soll. Mich beschäftigt auch der Gedanke: wie werden es vor allem ältere Menschen in der Kirche empfinden, dass ich bei diesem Anlass die Ansprache halte - zwar in niederländischer Sprache, aber mit meinem deutschen Akzent, der immer noch deutlich hörbar ist. Gern möchte ich im Geist Jesu äussern, möchte seinem Rat folgen, der auch dem heiligen Ludger viel bedeutet hat: ‘Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren” (Luk 10,5-6). Als erstes sagen: “Friede diesem Haus” - das hatte für Ludger Vorrang, aber er musste auch schmerzlich erfahren: nicht immer gelingt es, nicht immer kann es gelingen, diesen Wunsch glaubwürdig in die Häuser, zu den Menschen zu bringen.

Ludger zog zwar nicht mit einem Heer von Ort zu Ort, aber oft genug werden ihn bewaffnete Männer begleitet haben. Dabei erwartete er doch mehr von einem ganz anderen Schutz, einer andersartigen Sicherung - der Epheserbrief nennt sie die Waffenrüstung Gottes. Ludger wusste, was darüber in der Heiligen Schrift geschrieben steht - und das war Massstab, dem er gerecht werden wollte:
“Zieht die Rüstung Gottes an, ... gürtet euch mit Wahrheit,
zieht als Panzer die Gerechtigkeit an
und den Eifer für das Evangelium vom Frieden als Schuhe an den Füssen.
Vor allem greift zum Schild des Glaubens!
Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.
Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes” (Eph 6,11-17)
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5. “Als Fremder umherziehen aus Liebe”
“Den Eifer für das Evangelium vom Frieden als Schuhe an den Füssen” - Ludger hat das Ideal seiner Angelsächsischen Lehrer tief in sich aufgenommen. Sie begeisterten sich für die “peregrinatio religiosa”, sie wollten nicht sesshaft sein, sie wollten als Fremdlinge umherziehen aus Liebe zu Gott. “Heute und morgen und am folgenden Tag muss ich weiterwandern” - dieses Wort Jesu (Luk 13,33), diese Haltung des Wanderpredigers aus Galiläa waren in Ludger, in seinen Vorbildern und in seinen Gefährten ganz lebendig. “Ich bin noch nicht am Ziel, ich muss weiterziehen, halte mich nicht auf!” - noch im Tod bestimmt diese Aufbruchsstimmung den heiligen Ludger. Dürfen wir darin etwas wiedererkennen von der Unrast des auferstandenen Christus, der zu Maria aus Magdala sagt: “Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen” (Joh 20,17)?
Aufbruchsstimmung, noch im Tod - bei Ludger äusserte sie sich folgendermassen. Er wusste sehr wohl, an welchem Ort der Leichnam eines verstorbenen Bischofs bestattet werden musste. Trotzdem hat er sich auch dieser Festlegung entzogen. In seinem Testament steht, dass er nicht in seiner Bischofsstadt begraben werden wollte. Nach einigem Widerstand hat man in Münster den toten Bischof doch ziehen lassen müssen; auch Kaiser Karl der Grosse ordnete an, den Verstorbenen zu dem von ihm gewünschten Ruheplatz zu bringen - in Ludgers Lieblingskloster, die Abtei Werden.

Eine Legende erzählt: als der Leichenzug in dem Städtchen Lüdinghausen angekommen war, da begonnen von selbst die Glocken zu läuten. Begrüssten sie den Wanderer, der so gern in Klöstern gelebt hatte, aber selbst kein Ordensmann geworden war? War er jetzt unterwegs zu seiner letzten Einkleidung, erfüllte sich so das Pauluswort: “dieses Vergängliche muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit” (1 Kor 15,53)?

Die Stafette zum Ludgerjubiläum ist grenzüberschreitend, wenn auch in bescheidenem Masse. Zwei Nachbarländer und -Bistümer haben sich miteinander in Verbindung gesetzt, um gemeinsam einen Vorläufer im Glauben zu erinnern und zu feiern, der sein Heimatland in östlicher Richtung verlassen hatte. Er gehörte zu denen, die europäische Lebensordnungen gestaltet haben, wie sie in den letzten 1200 Jahren entstanden sind und bestanden. Dieses Fundament bleibt massgebend; aber zugleich müssen wir, wie die Diskussion über die europäische Verfassung zeigt, neue Vereinbarungen treffen für eine neue Phase. Von Ludger können wir dazu keine Rezepte erwarten. Sein Lebensmut kann uns wohl ermutigen und neugierig machen - neugierig auf die Kraftquelle, aus der er schöpfte.
(Utrechter Handreichung “Gedanken für unterwegs”, Abschnitt 4)
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Die Erinnerung an ihn macht Fragen dringlicher, Fragen wie diese:

- kirchliches Leben muss mehr sein als eine Art gehobener Freizeitgestaltung, gefällig und niedrigschwellig. Wie können wir darüber hinausgehen, hoffentlich sogar aufs Ganze? Wo und wie können wir die Brunnen anbohren, die Jesus im Anschluss an den entscheidenden Grundsatz im jüdischen Glauben so umschreibt: “lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte” (Mt 22,37)? Drei Mal “ganz”: der christliche Glauben ist also doch etwas anderes als Naschen an einem bunten Büfett: hier mal ein Häppchen, da mal eins...

- Das Problem von Religion und Macht, Religion und Gewalt, das schon Ludger so bedrängte, ist immer noch aktuell und ungeklärt. Liegt nicht die einzige Möglichkeit, davor nicht zu kapitulieren, darin, das Evangelium vom Frieden zu verkünden - es zumindest immer wieder zu versuchen, trotz aller Gebrochenheit und Ohnmacht, trotz mangelnder Glaubwürdigkeit und Anfällen von Verzagtheit?

- Wie verhalten wir uns zu den Grenzübergängen und zu den Grenzgängern, die für unsere Zeit charakteristisch sind? Die Umgetriebenen, die nicht ankommen: können, wollen wir sie ein Stück begleiten? Könnte es nicht nur eine Aufgabe sein, sondern könnte es uns auch gut tun, an ihren Suchbewegungen teilzunehmen? Könnte es sein, dass sie uns Durchblicke und Aussichten erschliessen - unerlässliche Herausforderungen, um nicht auf der Stelle zu treten, sondern weiter zu gehen?


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